Wirckung des Regens im Frühling.
Nach einem lang-und fcharffen Osten-Winde,
Der im April und Märtz geherrschet, und das Land
Fast gäntzlich ausgedorrt, fiel auf einmahl gelinde,
Wie ich von ungefehr im Garten mich befand,
Aus Süden, ein schon längst erseufzter Regen.
Mein GOtt, welch ein erwünscht Bewegen,
Das überall der Erden Fläche ziert,
Ward dadurch überall verspürt!
Ich dachte nach, wie er so nützlich sey,
Und fiel mir dieß darüber bey:
Ach liebster GOtt! was trieffen nicht in diesem längst-ge-
wünschten Regen
In das fast ausgedorrte Land für Anmuth, Fruchtbar-
keit und Segen!
Es sagt mit Recht die Welt für diesen Segens-Tranck,
Und ich absonderlich, dir, Vater, Lob und Danck.
Die, durch die kalte Luft, zurück gehaltnen Säfte
Vermehrten die bißher gehemmten Kräfte,
Und drengten recht mit Macht durch Stämm- und Zwei-
ge sich.
Die Knospen spalteten fast sichtbarlich.
Es kamen junger Blüht’ und zarter Blätter Sprossen
Aus ihrem Auffenthalt hervorgeschossen.
Es ließ, ob wolten sie durchaus nicht länger säumen.
In der Allee, auf Stauden, Bäumen,
Auf Hecken, überall, erschien
Ein grünlich Braun, ein bräunlich Grün;
Doch schien all’ Augenblick das Braun sich zu vermindern.