[Wo sind die stunden]

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Written 1647-01-01 - 1647-01-01

Wo sind die stunden

Der süssen zeit

Da ich zu erst empfunden

Wie deine lieblichkeit

Mich dir verbunden?

Sie sind verrauscht es bleibet doch dabey

Daß alle lust vergänglich sey.

Das reine schertzen

So mich ergetzt

Und in dem tieffen hertzen

Sein merckmahl eingesetzt

Läst mich in schmertzen

Du hast mir mehr als deutlich kund gethan

Daß freundlichkeit nicht anckern kan.

Das angedencken

Der zucker-lust

Will mich in angst versencken.

Es will verdammte kost

Uns zeitlich kräncken

Was man geschmeckt und nicht mehr schmecken soll

Ist freuden-leer und jammer-voll.

Empfangne küsse

Ambrirter safft

Verbleibt nicht lange süsse

Und kommt von aller krafft;

Verrauschte flüsse

Erquicken nicht. Was unsern geist erfreut

Entspringt aus gegenwärtigkeit.

Ich schwamm in freude

Der liebe hand

Spann mir ein kleid von seide

Das blat hat sich gewand

Ich geh' im leide

Ich wein' itzund daß lieb und sonnenschein

Stets voller angst und wolcken seyn.