Wohlbeschlossenes Alter Hn. T. S. v. L. den 11. Octobr. 1667.
Was klagt ihr Sterblichen die Wenigkeit der Tage
Daß eurer Jahre Ziel so kurtz ist abgefast?
Legts Leben und den Brauch des Lebens auf die Wage
Gewiß das letzte macht euch nur die gröste Last.
Viel leben gantz verkehrt viel lernen niemals leben
Ein Theil schätzt sich beglückt daß Jahr und Zeit verraucht:
Wenn nun die Stunde schlägt und man soll Abschied geben
So seufftzt man nur umbsonst daß dieses Gut verbraucht.
Wir hätten langen Raum der Tugend nach zusetzen
Und gar bequeme Frist die Weißheit anzuschaun
So lassen wir allhier uns die Begierden hetzen
Und pflegen Babels Thurn hoch in die Lufft zu baun.
Der vor der Thüren steht und auf Genaden harret
Der Aempter bettelt aus und neue Titul sucht
Weiß nicht wie liederlich er seine Zeit vernarret
Und wie viel Monat ihm zerfliessen sonder Frucht.
Ein ander stirbt verwirrt in zweiffelhafften Rechten;
Die von dem Ehrgeitz frey die fällt der Gelddurst an.
Theils leben unversöhnt und wollen immer fechten
Was hat unreine Brunst bey manchen nicht gethan?
Wer so sein Leben nutzt da hat es freylich Flügel
Ist schneller als ein Pfeil der durch die Lüffte streicht
Denn hilfft uns vor den Tod kein Freybrieff oder Siegel
Das Ende das man so gesuchet ist erreicht.
Hier kan man endlich wol noch einen Fürhang machen
Verstellen Aug’ und Hertz; dort steht die Seele bloß
Und wenn diß Wort erschillt: Thu Raitung deiner Sachen
So geht der Aengsten Angst mit vollem Hauffen loß.
Gar einen andern Zweck sein Leben wol zu schliessen
Zu dienen GOtt und auch dem Nechsten nutz zu seyn
Hat ihm der
Den man nun Lebenssatt dem Grabe sencket ein.
Des Geistes Fertigkeit der muntern Jahre Kräffte
Hat Arbeit außgeschärfft und steter Fleiß vergnügt;
Es rühmt ein jederman den Fortgang der Geschäffte
Das noch der Stadt gar wol im Angedencken liegt.
Biß daß sein Alter ihn hieß auf die Ruhe dencken
Auf eine solche Ruh die Weise stets geliebt
Die sicher von dem Neid die Hoffart nicht kan kräncken
In welcher Helden sich vor jener Zeit geübt.
Er hat auf seinem Gut ein Unschuld-volles Leben
Als wie die Tugend lehrt in reiner Lust geführt;
Den Anreitz kont’ ihm da jedwede Pflantze geben
So zu deß Schöpffers Lob stund prächtig außgeziert.
Der Alten Waffen sind die Ubungen der Tugend
Mit welchen meisten sie die Laster schon bekämpfft;
Das Blut brennt nicht vor Glut wie in der ersten Jugend
Die Regungen sind auch durch grauen Witz gedämpfft.
Sie leben ihnen selbst was übrig von den Zeiten
Verzehrt ein kluges Buch und ein gelehrt Gedicht:
So lebte
Zu unser Zeit
Was ist wol seeligers als ist den freyen Feldern
Bey einem grünen Baum und Silber-hellen Bach
In einem tieffen Thal und Schatten-reichen Wäldern
Dem Elend dieser Zeit vernünfftig dencken nach.
Es ließ der
Und welchen es gebührt umb Kronen seyn bemüht
Er konte beßre Lust auf seiner Brief’ erjagen
Wenn er in Garten sah wie alles aufgeblüht.
Da jedre Zeit deß Jahrs gab Anlaß nachzusinnen;
Der Sommer so bereit sein volles Wachsthum zeigt
Entdeckte daß wir auch erwachsen nützen können
Und daß der Künste Frucht auß weissen Knospen steigt.
Der Herbst ein Ebenbild der außgewürckten Jahre
Die voll sind an Verstand wie jener Trauben-reich
Daß da deß Menschen Sinn die schwersten Ding erfahre
Und seine Fruchtung sey Pomonens Baumwerck gleich.
Sah’ denn der
Die Flüsse gantz geharnscht die Felder gantz beschneyt;
So schloß er daß nun so sein Leben abgenommen
Die
Erblickt’ er denn auffs neu deß güldnen Frühlings prangen
Wenn alles sich verjüngt und grünes Laub gewan
Entsprang bey ihm zugleich das sehnliche Verlangen
Deß Himmels Paradiß und Gott zu schauen an.
Er wuste wie das Graß sprost auß der Schoß der Erden
Wie jede Blum ihr Kleid und Schönheit wieder nimmt.
Athen rühm’ immer hin des Epicurus Garten
Und schätze seine Lehr und Schlüsse wunder groß:
Wer so der Sterbekunst im Leben lernt abwarten
Und täglich daran denckt erlangt der Freuden Schloß.
Es hat der werthe Greiß auch sattsam sich ergetzet
Wenn er an seinen Sohn Apollens Arm gedacht;
Der selbst durch Bücher ihm ein ewig Denckmahl setzet
Und bey der Nachwelt sich schon längst unsterblich macht.
Ein Stecken Stab und Trost bey den verlebten Jahren
Die Krone so anitzt gar wenig Väter ziert
Ja was von Kindern mehr für Treu ihm widerfahren
Ist unnoth daß es erst mein kurtzer Reim berührt.
Wiewol er nun gelebt wie seelig er gestorben
Und vieler Jahre Zahl Gottsfürchtig hingelegt
Wie er durch Tugend ihm ein gutes Lob erworben
Bedarff nicht erst der Müh daß mans in Marmel prägt.
Der Schiffer jauchtzt und springt wenn er den Port erreichet
Man rufft dem Glücke zu so in dem Kämpffen sigt.
Nun unser
Und zu der himmlischen Gemeinschafft sich verfügt
So sol man sich mit Recht ob seinem Glück erfreuen
Das keinen Zusatz will auch keinen Zufall kennt.
Der ist gewiß wer so beschleust deß Alters Reyen
Daß weder Noth doch Tod von Gottes Lieb’ ihn trennt.