Wohlgegründete/ übereilte und getheilte Liebe

By Hans Aßmann von Abschatz

Written 1672-01-01 - 1672-01-01

Wenn wahre Glutt

In treuem Hertzen brennet

Den Grund der edlen Flamme kennet

So taurt ihr ungefärbter Schein

Biß daß wir Asche seyn

Ohn allen Wanckelmutt;

Es muß ihr ieder Tag verneuten Zunder geben

Und sie der Treue Ruhm biß zu den Sternen heben.

Wenn falsche Glutt

Die Augen übereilet

So wird das Hertze leicht getheilet

Der Sinnen unbegründter Schluß

Gebieret Uberdruß

Und leichten Wanckelmutt:

Doch aber steh ich an ob so vergänglich Brennen

Ein Feuer oder nur ein Irrlicht sey zu nennen.

Wenn gleiche Glutt

Aus Wang' und Auge blitzet

Zu einer Zeit das Hertz erhitzet

So schmertzet uns die schwere Wahl

Und plagt mit tausend Qual

Den ungewissen Mutt.

Sagt Nympyen könt ihr denn auch so zertheilte Flammen

Die ihr zugleich in uns erweckt schlecht hin verdammen?