Wohlmeynende gedancken über den geburts-tag der Bleßine

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Written 1647-01-01 - 1647-01-01

Bleßine laß mich doch in diesem brieffe schertzen

Es scheint daß heute mir der himmel selber lacht;

Es quillt ich weiß nicht was aus meinem engen hertzen

Das alle schmertzen mir zu süssem zucker macht.

Die Venus will mir selbst die dicke dinte rühren

Cupido träget mir die weissen blätter zu;

Jedoch was dieses mahl soll meine Feder führen

Das kan nichts anders seyn als nur Bleßine du.

Du weist am besten mir die geister zu erwecken

Und legst im sand und eiß beblümte gärten an

Du läst mich nicht im schlamm der bleichen sorgen stecken

Und machest daß ich noch was lust ist schmecken kan.

Du kanst aus nächten tag aus winter frühling machen

Aus deinen augen quillt der zeug zum hurtig seyn.

Du lehrst die traurigkeit und schwermuth selber lachen

Und lockst aus trüber nacht den hellen sonnen-schein.

Die jahre deiner gunst sind ohne marter-wochen

Der schwartze sonntag wird durch dich zum oster-fest.

Es läst dein paradeiß mich liebes-äpffel suchen

Darbey die schlange sich nicht leichtlich spüren läst.

Bleßine weist du auch warum ich dieses schreibe

Warum dir meine faust itzt hundert reime schickt?

Du kennst den schönen mertz als aus der mutter leibe

Vor siebzehn jahren du die welt hast angeblickt.

Da hat die Venus dich bald auff den arm geleget

Und dich mit ihrer milch als mutter auch getränckt;

Sie hat die lieblichkeit dir reichlich eingepräget

Und selbst ihr ebenbild auf deine brust gehenckt.

Sie hat mit rosen-blut die lippen dir besprützet

Und ihre zunge hat die deinige genetzt;

Sie hat dir alsobald das junge blut erhitzet

Und warmen wunder-schnee in deine hand gesetzt.

Nach diesem hat sie dich den Gratien befohlen.

Die eine küßte dich du weist es wohl auff was;

Cupido muste dir zeug zu den windeln holen

Der niemahls allzuweit von deiner wiege saß

Er sang dir: kindgen schlaff; dein mund ist wie rubinen

Dein bäuchlein schwanen-weiß dein hals wie helffenbein

Es wird die freyheit dir vor eine sclavin dienen

Wann um dein brünnlein wird ein schönes püschgen seyn.

Schlaff sanfft! Es müsse dich kein harter schall erwecken

Die mutter decket dich mit ihrem flore zu.

In deine lippen will sie zucker-stengel stecken

Die mehr als zucker sind und lieblich seyn wie du.

Er lehrte bald darauf die glatten Füsse schreiten

Er macht aus seinem pfeil dir offt ein tummel-pferd

Die Venus lacht' und sprach: Wie kan diß dirnlein reiten?

Der himmel mache sie des besten reuters werth!

Sie ließ die tauben offt in deiner kammer bleiben

Dieweil ihr sclhnäblen dir fürtrefflich wohl gefiel

Du fragtest: Was ist diß? was sie vor kurtzweil treiben?

O fürwitz sagte sie es ist ihr liebes-spiel.

Was soll ich endlich viel von deiner jugend sagen?

Dich hat der himmel selbst als tochter angelacht.

Und dich ohn unterlaß auff arm und schooß getragen

Ja sammt und seide dir zu bett und stuhl gemacht.

Und hat er etwan dich was sauer angeblicket

So hat er doppelt dich auch wieder bald geliebt

Und aus dem nebel dir den schönsten strahl geschicket

So wie ein pinsel thut der neuen fürniß giebt.

Bleßine darff ich dir mein hertze recht entschliessen?

Du weist ich bin kein freund der schnöden heucheley;

So sag ich dir du sitzt auff des gelückes küssen

Und lebest noch zur zeit von scharffen dornen frey.

Die lebens-göttin spinnt vor dich gar feste seide

Die sonne deiner lust weiß nichts von untergehn.

Es kaufft die freudigkeit dir zeug zu einem kleide

Und will als dienerin dir zu gebote stehn

Sie reichet lachende dir ihre beste schaale

Sie schencket nectar dir biß an den deckel ein

Sie speist verschwenderisch dich auff dem bunten saale

Und heisset hertzen dir gemeine bissen seyn.

Bleßin' ich schrey itzund ich fühle deine bisse

Doch wo Bleßine beißt da richt sie lachen an.

Beiß beiß Bleßine beiß dein beissen ist so süsse

Daß ich vor liebligkeit fast nicht mehr leben kan.

Ich habe schon vorlängst mein hertze dir geschencket

Dein mund zerreist es zwar zermalmt es aber nicht.

Ach! freundin glaub es mir worauff dein geist gedencket

Das hab ich allbereit als diener ausgericht.

Küßt aber schönste dich vergnügung und glücke

Drückt dieses werthe paar dich freundlich an die brust

So thu mir auch also du weist es deine blicke

So mir dein auge shenckt sind strahlen meiner lust.

Laß deiner lippen thau um meine lippen fliessen

Den thau der erstlich mich wie leim den vogel fing.

Laß die vertraulichkeit die seele mir durchsüssen

Vertraulichkeit bleibt doch der liebe siegel-ring.

Mein auge kennst du ja es ist zwar nicht die sonne

Es sey dir was du wilt nur sey ihm nicht zu scharff.

Wilst du mein himmel seyn so gönn ihm doch die wonne

Daß es was himmlisch ist auch recht bestralen darff.

Itzt schließ ich diesen brieff. Bleßine das gelücke

Das müsse nimmermehr verändern deinen fuß

Die sterne senden dir dergleichen freuden-blicke

Vor denen traurigkeit zu asche werden muß.

Es reihe mich und dich durch einen drat zusammen

Es streu uns überall vergnügungs-körner ein

Und lasse ungestört bey diesen süssen flammen

Dein hauß mein paradieß, dich meinen engel seyn.