Wohlverdienter Rathsmann Bey Beerdigung Hn. A. H. v. K. d. R. in B. den 7. Julii...

By Heinrich Mühlpfort

Die allerschwerste Kunstist weißlich zu regieren

Es darff kein niedrig Sinn und feige Seele seyn

Die über Menschen soll Gewalt und Herrschafft führen

Weil ihre Hertzen oft so hart als Kiesel-Stein:

Der ungezähmte Will ein Feind der guten Sitten

Die thörichte Vernunfft vor Frieden Unruh wehlt

Und der Gedancken Schloß vom Frevel wird bestritten

Der stets die Einigkeit mit der Empörung quält.

Die See ist nicht so wild und ihre stoltze Wellen

Als der gemeine Mann in seinem dünckel-Witz

Und wo der Pöfel will sein albers Urtheil fällen

Da folgt gemeiniglich des Ungelückes Blitz

Drumb muß ein hoher Geist von ungemeinen Gaben

Und scharffen Sinnen seyn dem man die Last vertraut

Den Weisheit Lehr und Witz so ausgemustert haben

Daß er dem Altas gleich das Wesen unterbaut:

Bald muß Ulyssens Witz bald Carons Tapfferkeiten

Bald Nestors güldner Mund an statt der Stütze seyn:

Oft muß die Freundligkeit ein strenger Ernst begleiten;

Durch Schrecken mehret sich der Majestäten Schein.

Vergebens ist ja nicht der Purpur so erhoben

Die Krone so beperlt des Scepters Gold so schwer

Als daß sie Bilder sind der Allmacht von dort oben

Der tieff zu Fusse fällt Lufft Erde Feuer Meer.

Kein Dorff ist ohne Haupt geschweige grosse Reiche

Jedwedrer Stadt der sind Pfleg-Väter für gesetzt;

Sonst würd’ in einem Nun die Welt zu einer Leiche

Und jeder Acker mit der Menschen Blut benetzt.

Wie seelig ist der Ort in dem Asträa wohnet

Und zu der Obrigkeit geschickte Räthe hat

Wo man die Laster strafft und Tugenden belohnet

Wo die Gerechtigkeit führt ihre Hofe-Stadt;

Und solche Leute sind des Himmels Meisterstücke

Und lichter derer Glut gemeinem Nutzen brennt

Die durch Erfahrenheit und kluges Weltgeschicke

Die Art des besten Staats Hauptsächlich wol erkennt.

Bey solchem konte sich mit grossem Ruhme weisen

Der Numa unsrer Stadt der nunmehr liegt erblast

Der ob der Dienste Treu und Sorgfalt ist zu preisen

Und dessen Ehrenmahl bereits die Nachwelt fast.

Er war zu Nutz und Heil des Vaterlands geboren

Bald von der Wiegen an ziert’ ihn der Ahnen Schild

Der Thaten Tapferkeit die gab ihm dranff die Sporen

Die feurige Begier war eher nicht gestillt

Biß daß sein Helden-Geist der gleichen Bahn beschritten.

Ob schon sein edler Stamm ihm Glantz und Würde gab

So wolt er doch den Ruhm nicht nur von Ahnen bitten

Es brach der muntre Sinn ihm selbst die Lorbern ab.

Als Jhn der Kunste Milch zu Hause satt geträncket

Und er mit Wissenschafft gar reichlich war versehn

Hat sich sein reger Muth nach Leiptzig hingelencket

Von dar in frembden Sand zu lernen was geschehn.

So manches Königreich so mancher Volcker Leben

Der Britten scharffer Witz und der Frantzosen Muth

Der Spanier Bedacht die konten Nachricht geben

Was einer Policey sey schädlich oder gut:

Und seiner Reise Ziel war Mauren nicht zu schauen

Noch aufgethürmte Berg’ und unbeseelte Stein’:

Er wolt je mehr und mehr in Künsten sich erbauen

Den Büchern zwar geneigt doch Freund der Waffen seyn.

Jhm lag Miltiades fast täglich in dem Sinne

Der durch die Krieges-Kunst das Vaterland geschützt

Er laß fast halb entzuckt wie Cäsar Rom gewinne

Indem er erst mit Kunst und drauff mit Waffen blitzt.

Er hat die Pallas mehr geharnscht als bloß geliebet

Weil doch der Musen Volck nicht gerne Lantzen führt

Und einem grossen Geist es grössers Ansehn giebet

Wenn ihn so wol der Helm als eine Feder ziert.

Als ihn die frembde Lufft genugsam hat’ durchgangen

Und mancher Fürsten-Hof Staats-Sachen beygebracht

Reitzt ihn doch wiederumb das brennende Verlangen

Sein Vaterland zu sehn das da im Kriege schmacht’

Und auf der Bahre lag. Es hieß ihn drauf willkommen

Verwandte Freund und Stadt mit höchsten Freuden seyn

Und als er kurtz hernach ward in den Rath genommen

Traf seine Trefligkeit mit aller Hoffen ein.

Wie embsig er zu erst die Aempter hat verwaltet

So seinem wachen Fleiß sind worden anvertraut

Belehrt sein Nachruhm noch der nimmermehr veraltet

Und ihm Gedächtnüß-Stein und Ehren-Tempelbaut.

Die Themis selbsten kan ihm dieses Zeugnuß geben

Daß er das rechte Recht hat jederzeit gehegt

Daß er die Jrrungen nicht lange lassen schweben

Und schwerer Sachen Fall bey sich vor überlegt.

Der Läuffte Heimligkeit ins Hertzens Grund verrigelt

Mit unerschrocknem Muth die Rathschlüß’ außgericht

Und hätt es noth gethan mit seinem Blut besiegelt

Die Liebe vor die Stadt und seiner Dienste Pflicht.

Und so weit müssen ihn die Oelen-Zweige schmücken

Der Bürger Danckbarkeit sein werthes Lob erhöhn;

Als er im Krieges-Ampt begunte fortzurücken

Must’ an der Dice statt ihm Mars zur Seiten stehn.

Bellona nant’ ihn gar den Schutz-Herrn ihrer Waffen

Wenn er im Zeng-Haus sich so hurtig sehen ließ

Die Sorge nahm ihm offt auch bey der Nacht das schlaffen.

Er dacht oft eher dran als sich der Tag noch wieß.

Der Stücke Donnerschlag der Hagel von Musqueten

Der war in seinem Ohr der beste Lautenklang

Der Brommeln rauher Thon die Pfeiffen und Trompeten

Beliebten ihm viel mehr als sonst ein Kunst-Gesang.

So hatte Pallas sich mit Marspitern verbunden

So kont Eunomie Bellonens Schwester seyn:

Der

Theils in die Raths-Geschäfft theils in die Waffen ein.

Es hatte

Daß so ein Manlius ihr Schmuck und Kleinod war

Allein jetzt muß sie nur die trüben Augen netzen

Jhr

Zwar diß was sterblich ist das wird uns nur entzogen

Sein Angedencken das verwest im Grabe nicht

Es heist es Schuld und Pflicht daß Nuhm und Sieges-Bogen

Und Ehren-Kronen ihm der Bürger Liebe flicht.

Hochedle die ihr Herr und Vater habt verlohren

Nembt diß zu einem Trost in eurem Schmertzen ein:

Wer so den Kreiß der Welt beschreitet wol geboren

Wol lebt und auch wol stirbt der muß unsterblich seyn.