Wohlverdienter Rathsmann Bey Beerdigung Hn. A. H. v. K. d. R. in B. den 7. Julii...
Die allerschwerste Kunstist weißlich zu regieren
Es darff kein niedrig Sinn und feige Seele seyn
Die über Menschen soll Gewalt und Herrschafft führen
Weil ihre Hertzen oft so hart als Kiesel-Stein:
Der ungezähmte Will ein Feind der guten Sitten
Die thörichte Vernunfft vor Frieden Unruh wehlt
Und der Gedancken Schloß vom Frevel wird bestritten
Der stets die Einigkeit mit der Empörung quält.
Die See ist nicht so wild und ihre stoltze Wellen
Als der gemeine Mann in seinem dünckel-Witz
Und wo der Pöfel will sein albers Urtheil fällen
Da folgt gemeiniglich des Ungelückes Blitz
Drumb muß ein hoher Geist von ungemeinen Gaben
Und scharffen Sinnen seyn dem man die Last vertraut
Den Weisheit Lehr und Witz so ausgemustert haben
Daß er dem Altas gleich das Wesen unterbaut:
Bald muß Ulyssens Witz bald Carons Tapfferkeiten
Bald Nestors güldner Mund an statt der Stütze seyn:
Oft muß die Freundligkeit ein strenger Ernst begleiten;
Durch Schrecken mehret sich der Majestäten Schein.
Vergebens ist ja nicht der Purpur so erhoben
Die Krone so beperlt des Scepters Gold so schwer
Als daß sie Bilder sind der Allmacht von dort oben
Der tieff zu Fusse fällt Lufft Erde Feuer Meer.
Kein Dorff ist ohne Haupt geschweige grosse Reiche
Jedwedrer Stadt der sind Pfleg-Väter für gesetzt;
Sonst würd’ in einem Nun die Welt zu einer Leiche
Und jeder Acker mit der Menschen Blut benetzt.
Wie seelig ist der Ort in dem Asträa wohnet
Und zu der Obrigkeit geschickte Räthe hat
Wo man die Laster strafft und Tugenden belohnet
Wo die Gerechtigkeit führt ihre Hofe-Stadt;
Und solche Leute sind des Himmels Meisterstücke
Und lichter derer Glut gemeinem Nutzen brennt
Die durch Erfahrenheit und kluges Weltgeschicke
Die Art des besten Staats Hauptsächlich wol erkennt.
Bey solchem konte sich mit grossem Ruhme weisen
Der Numa unsrer Stadt der nunmehr liegt erblast
Der ob der Dienste Treu und Sorgfalt ist zu preisen
Und dessen Ehrenmahl bereits die Nachwelt fast.
Er war zu Nutz und Heil des Vaterlands geboren
Bald von der Wiegen an ziert’ ihn der Ahnen Schild
Der Thaten Tapferkeit die gab ihm dranff die Sporen
Die feurige Begier war eher nicht gestillt
Biß daß sein Helden-Geist der gleichen Bahn beschritten.
Ob schon sein edler Stamm ihm Glantz und Würde gab
So wolt er doch den Ruhm nicht nur von Ahnen bitten
Es brach der muntre Sinn ihm selbst die Lorbern ab.
Als Jhn der Kunste Milch zu Hause satt geträncket
Und er mit Wissenschafft gar reichlich war versehn
Hat sich sein reger Muth nach Leiptzig hingelencket
Von dar in frembden Sand zu lernen was geschehn.
So manches Königreich so mancher Volcker Leben
Der Britten scharffer Witz und der Frantzosen Muth
Der Spanier Bedacht die konten Nachricht geben
Was einer Policey sey schädlich oder gut:
Und seiner Reise Ziel war Mauren nicht zu schauen
Noch aufgethürmte Berg’ und unbeseelte Stein’:
Er wolt je mehr und mehr in Künsten sich erbauen
Den Büchern zwar geneigt doch Freund der Waffen seyn.
Jhm lag Miltiades fast täglich in dem Sinne
Der durch die Krieges-Kunst das Vaterland geschützt
Er laß fast halb entzuckt wie Cäsar Rom gewinne
Indem er erst mit Kunst und drauff mit Waffen blitzt.
Er hat die Pallas mehr geharnscht als bloß geliebet
Weil doch der Musen Volck nicht gerne Lantzen führt
Und einem grossen Geist es grössers Ansehn giebet
Wenn ihn so wol der Helm als eine Feder ziert.
Als ihn die frembde Lufft genugsam hat’ durchgangen
Und mancher Fürsten-Hof Staats-Sachen beygebracht
Reitzt ihn doch wiederumb das brennende Verlangen
Sein Vaterland zu sehn das da im Kriege schmacht’
Und auf der Bahre lag. Es hieß ihn drauf willkommen
Verwandte Freund und Stadt mit höchsten Freuden seyn
Und als er kurtz hernach ward in den Rath genommen
Traf seine Trefligkeit mit aller Hoffen ein.
Wie embsig er zu erst die Aempter hat verwaltet
So seinem wachen Fleiß sind worden anvertraut
Belehrt sein Nachruhm noch der nimmermehr veraltet
Und ihm Gedächtnüß-Stein und Ehren-Tempelbaut.
Die Themis selbsten kan ihm dieses Zeugnuß geben
Daß er das rechte Recht hat jederzeit gehegt
Daß er die Jrrungen nicht lange lassen schweben
Und schwerer Sachen Fall bey sich vor überlegt.
Der Läuffte Heimligkeit ins Hertzens Grund verrigelt
Mit unerschrocknem Muth die Rathschlüß’ außgericht
Und hätt es noth gethan mit seinem Blut besiegelt
Die Liebe vor die Stadt und seiner Dienste Pflicht.
Und so weit müssen ihn die Oelen-Zweige schmücken
Der Bürger Danckbarkeit sein werthes Lob erhöhn;
Als er im Krieges-Ampt begunte fortzurücken
Must’ an der Dice statt ihm Mars zur Seiten stehn.
Bellona nant’ ihn gar den Schutz-Herrn ihrer Waffen
Wenn er im Zeng-Haus sich so hurtig sehen ließ
Die Sorge nahm ihm offt auch bey der Nacht das schlaffen.
Er dacht oft eher dran als sich der Tag noch wieß.
Der Stücke Donnerschlag der Hagel von Musqueten
Der war in seinem Ohr der beste Lautenklang
Der Brommeln rauher Thon die Pfeiffen und Trompeten
Beliebten ihm viel mehr als sonst ein Kunst-Gesang.
So hatte Pallas sich mit Marspitern verbunden
So kont Eunomie Bellonens Schwester seyn:
Der
Theils in die Raths-Geschäfft theils in die Waffen ein.
Es hatte
Daß so ein Manlius ihr Schmuck und Kleinod war
Allein jetzt muß sie nur die trüben Augen netzen
Jhr
Zwar diß was sterblich ist das wird uns nur entzogen
Sein Angedencken das verwest im Grabe nicht
Es heist es Schuld und Pflicht daß Nuhm und Sieges-Bogen
Und Ehren-Kronen ihm der Bürger Liebe flicht.
Hochedle die ihr Herr und Vater habt verlohren
Nembt diß zu einem Trost in eurem Schmertzen ein:
Wer so den Kreiß der Welt beschreitet wol geboren
Wol lebt und auch wol stirbt der muß unsterblich seyn.