Xv.

By Johann Jacob Bodmer

Ein Wasser ward einmahl so groß,

Daß es aus seinem Bete floß,

Und weit und breit im Land umschweift;

Es schleppt dahin, was es ergreift;

Mit andern Dingen schleifts davon

Zween Hafen, einer war von Thon:

Der andre war aus Ertz gegossen.

Die beyde kamen so geflossen,

Und weil der erste leichter war,

Gelang sein Weg ihm desto besser

Auf dem starckströhmenden Gewässer.

Er fuhr voran, der andre nach.

Der rief ihm zu: Ist dir so gach,

Mein Freund, und wartest du nicht mein?

Wir wollen Spießgesellen seyn.

Wart mein, ich will mit dir hinfahren;

Gott wird uns beyde wohl bewahren.

Der Topf von Thone sprach: Ich bin für dich zu kranck

Gewünnest du mir an nur einen Wanck,

Thät ich von ungefehr nur einen Stoß an dich,

Und stiessest du zurück an mich,

So wär ich erstes Streiches todt.

Ich hüte mich vor dieser Noth.

Du übertriffst an Stärcke mich,

Drum bin ich kein Gesell für dich.

Die Stösse wären mein und dein,

Der Schade wäre immer mein.