XxII. Wünsche und Gesundheiten.
Verdoppelt euch, ihr Freuden-Töne!
Begleitet diesen Reben-Saft.
Auf! auf! Es lebe jede Schöne
Und süsser Reitzung Wunder-Kraft.
Verehret anmuthsvolle Blicke
Und ihre stumme Redner-Kunst;
Und wünscht geliebten Augen Glücke
Und uns geliebter Augen Gunst.
Die holden Lippen müssen blühen,
Die Jugend färbt und Scherz belebt;
Die nicht zu sehr dem Kuß entfliehen;
Um die der Kuß mit Freude schwebt.
Viel Glück dem weiblichen Geschlechte,
Dir, Hoffnungs-voller Jungfern-Stand!
Der Frauen ehelichem Rechte
Und jeder schönen Witwen-Hand.
Jhr Schönen! die in dieser Stunde
Ein holdes Glück uns zugesellt,
Trinkt oder schlurft mit frohem Munde:
Worauf? Auf das, was euch gefällt.
Es leben die beliebten Alten,
Die Fröhlichkeiten günstig sind.
Ein Geist der Lust hat sie erhalten;
Der geh auf Kind und Kindes-Kind.
O tränkt euch, jugendliche Kräfte!
Den Vätern besser beyzustehn.
Laßt euch so wacker zum Geschäfte
Als muthig zum Vergnügen sehn.
Wenn keine Lieb und Freundschaft wären,
Was hätt’ uns Menschen nicht gefehlt?
Man singe jedem Tag zu Ehren,
Der aus Bekannten Freunde wählt.
Es leben wohlgewählte Freunde!
Dieß Glas soll ihnen heilig seyn.
Lebt gleichfalls, halb’ und ganze Feinde!
Doch fern von uns, und ohne Wein.
Vergnügter Stunden Angedenken
Macht diese Stunden doppelt schön.
Du Zeit, die wir der Freude schenken,
O laß dich öfters wieder sehn!
Du Pfand des Glückes, güldner Friede!
O kehr in Deutschland wieder ein!
So trinken wir, bey manchem Liede,
Mit ausgesöhnten Feinden Wein.
Uns treffe nie der Fluch der Zeiten,
Wo gut Getränke bitter ist,
Und man beym Wein der Fröhlichkeiten,
Des Singens und des Klangs vergißt!
Lebt, überlebt die Splitter-Richter,
Jhr Freunde! die ihr weislich lacht,
Und einem aufgeweckten Dichter
Nicht jeden Scherz zum Frevel macht.