Zehntes Kapitel

By Wilhelm Busch

Written 1870-01-01 - 1870-01-01

Die Nacht ist warm, die Menschen träumen,

Und leise flüstert's in den Bäumen,

Und leise schleicht der Mondenschein

In Dralles Garten sich herein.

Von seinem Dämmerlicht beschienen,

In Gras und Blüten, summen Bienen.

Die feiern heut bei des Mai's Beginn

Das Hochzeitsfest der Königin.

Schon sitzen im hohen Rosensaal

Die Königin und der Prinzgemahl.

Sie winkt – da schießet mit Getos

Der Bombardör den Böller los.

Zing, zing, traromm! – und auf der Stelle

Ertönen die Klänge der Hofkapelle.

Die Fliege blus Trompette,

Der Mück Klarinette,

Die Hummel die Trummel,

Der Heuschreck die Geigen;

Das gab fürwahr einen lustigen Reigen. –

Schau! Holzbock der Lange

Ist eifrig im Gange

Mit Bienenlieschen

Auf zierlichen Füßchen. –

Und da der Kleine

Mit Minchen, dem Bienchen,

Rührt auch die Beine. –

Und seht mir nur das nette Trinchen!

Da macht ja wohl Herr Schröter

Den angenehmen Schwerenöter!

Im Apfelbaum sitzt auch der Mond

Und hat dem Feste beigewohnt. –

Nun waren da auch zwei Maienkäfer,

Recht nette Bübchen,

Doch blöde Schäfer;

Die rauchen und trinken im Nebenstübchen,

Bis daß sie im nassen Grase liegen

Und können nicht mehr nach Hause fliegen.

Der Wächter Schuhu findet sie.

Er spricht: „Aha, das sind ja die!! –

Schon wieder mal!!“ –

Und bringt sie in sein Wachtlokal.

Der Mond, der auch nicht recht mehr munter,

Hüllt sich in Wolken und geht unter.