Zeit und Ewigkeit

By Hans Aßmann von Abschatz

Written 1672-01-01 - 1672-01-01

Zur Stunde düstrer Mitternacht

Wenn alles schläfft mein Auge wacht

Erweg' ich wie die Zeit wegeilt

Die unser kurtzes Leben theilt.

Ein Tag ist lang wenn Schmertz und Noth

Wird unser hartes Wochen-Brod:

Wie schwer die Angst und Arbeit sey

Geht Woch und Tag doch bald fürbey.

In Monat theilet sich das Jahr

Doch wird man unverhofft gewahr

Wie dieser kömmt und jener weicht

Biß Jahr und Leben mit verstreicht.

Trau Seele keiner Stunde nicht!

Du weist nicht wenn das Leben bricht

Und nimmst doch durch die kurtze Zeit

Den Weg zur langen Ewigkeit.

Ein Tag hat sein geseztes Ziel

Das ihm die Sonne gönnen will

Wer aber mißt den langen Tag

Der keinen Abend finden mag?

Wir schreiben nach des Monden Lauff

Die Zahl der Jahres-Wochen auff;

Wer ist der uns zu rechnen weiß

Der Woch ohn Ende rundten Kreiß?

Jedweder Monat hat den Schluß

Damit er sich verlieren muß:

Der Monat der nicht wechseln kan

Fängt immerdar von neuem an.

Kein Jahr taurt über seine Frist

Wenn sich der zwölffte Monden schlüst

Wenn aber kömmt das Jahr zum Schluß

Das alle Jahre schlüssen muß?

Es ist der Erden Weite kund

Man find des Meeres tieffen Grund

Wer weiß diß zu beschreiben rath

Was weder Ziel noch Anfang hat.

In tieffster Berge finstrer Schoß

Giebt sich Crystall und Silber bloß:

Vernunfft forscht nicht mit Fürwitz aus

Der Ewigkeit veborgnes Hauß.

Trau Seele dieser Närrin nicht

Wenn sie dir hier viel Zeit verspricht

Der Weg ist kurtz durch diese Zeit

Und führt zur langen Ewigkeit.