Zu Freiligraths Geburtstag mit Champagnerflaschen

By Emanuel Geibel

Written 1833-01-01 - 1833-01-01

Von Frankreichs Höhn, die sonnenklar

Von goldnem Segen triefen,

Da bringen wir dir Nektar dar

Für deinen Hippogryphen;

Für ihn, der sich so stolz gebäumt

Am Euphrat und am Nile,

Und den du jetzt auf deutsch gezäumt

Zu schönerm Ritterspiele.

Hoch auf! Er scharret mit Gewiehr

Und knirscht in Kett' und Stange

Und stampft, als wollt' er sagen dir:

„Was rastest du so lange?“

Ein frischer Reiter bist ja du,

Drum laß dein Tier nicht warten;

Sitz auf und reit dem Meere zu

Durch deines Rheinlands Garten.

Und wenn der Huf vom Flügelhengst

Erklingt im Land der Schleusen,

Dann rühren, die da schliefen längst,

Im Grabe sich die Geusen.

Sie steigen auf, eine wilde Schar,

Im Kleid von düstrer Farbe,

Mit langem Schwert und kurzem Haar

Und auf der Stirn die Narbe.

Und einer spricht: „Halt an, Gesell!

Du riefst, und wir erwachten;

Spiel' auf, spiel' auf! Wir folgen schnell

Zu Zechgelag und Schlachten.

Hoch flattert unsrer Masten Zier,

Das Banner von Oranien;

Wie gerne trutzen wir mit dir

Dem finstern Mann in Spanien.

Wie gerne stehn wir Glied an Glied

Mit dir zum andern Male,

Daß unser Sieg in einem Lied

Aufs neu' verherrlicht strahle.

Frisch! Weck' die Saiten aus der Ruh'!

Greif ein mit keckem Finger!

Wir hoffen Großes. – Lässest du

Uns harren, kühner Singer?“

Doch willst du nicht ins Niederland,

So reit ins Land Westfalen;

Von alters her ist's dir bekannt,

Du magst es prächtig malen.

Die Heide braun, den Eichengrund,

Den stillen Hof dazwischen,

Den Weidgeselln mit Horn und Hund,

Den Damhirsch in den Büschen.

Den grünsten Waldplatz such' dir dort,

Um auszuruhn vom Ritte;

Bemooste Stein' umstehn den Ort,

Fern lugt die Köhlerhütte.

Der Meiler glüht. Es ballt der Rauch

Sich mählich zu Gestalten;

Düster wehen im Windeshauch

Der langen Gewänder Falten.

Sie schweben zum Freigrafenstein,

Sie lassen sich nieder im Kreise,

Aus dumpfen Kehlen murmelt drein

Von Strang und Schwert die Weise.

Du hörst, wie langsam, Schall auf Schall,

Im Helm die Kugeln dröhnen –

Drauf Totenstille – dann ein Fall,

Und schneidend kurz ein Stöhnen.

Und wieder schwinden sie hintan

Mit tief verhüllten Brauen;

Sie ziehen wohl, aufs neu' den Span

Aus einer Tür zu hauen.

Du hast's belauscht, du hast's geschaut,

Ich weiß, du kannst's nicht lassen,

Du mußt das Bild, den Todeslaut

In deine Lieder fassen.

O tu's und dann kehr' zu uns heim

Mit frohem Roßgewieher

Und lies uns deinen neusten Reim

Im „goldnen Pfropfenzieher“.