Zu Herrn Daniel Caspars von Lohenstein Deutschem Arminius
Written 1672-01-01 - 1672-01-01
Was ist der kurtze Ruff der mit ins Grab versinckt
Dafern er aus der Grufft nicht ewig widerschallet?
Ein schneller Blitz der zwar von Ost biß Westen blinckt
Doch bald vergessen ist wenn drauff kein Donner knallet
Ein Rauch der bald verfliegt ein Wind der bald verstreichet
Ein Irrlicht dessen Schein für neuer Sonn erbleichet.
Wie bald verkocht in uns die Hand voll kühnes Blutt?
Wie eilends pflegt das Tacht des Lebens auszubrennen
Noch Hand noch Schädel weist den edlen Geist und Mutt;
Wer will den Zunder in der Todten-Asch erkennen?
Der welcher unser Lob erhalten soll auff Erden
Muß deß in kurtzer Zeit ein stummer Zeuge werden.
Was hilffts denn daß ein Mensch nach grossem Nahmen strebt
Wenn sein Gedächtnis nicht kan zu der Nachwelt dringen?
Für Agamemnons Zeit hat mancher Held gelebt
Den seiner Tugend Preiß zun Sternen können bringen
Weil aber kein Homer zu ihm sich hat gefunden
Ist seiner Thaten Glantz in dunckler Nacht verschwunden.
Braucht allen Aloe und Balsam alter Welt
Bemahlt nach Sothis Art die theuren Leichen-Kittel
Schnizt feste Cedern aus mit fremden Leim verquellt
Bezeichnet Tuch und Sarg mit Bildern großer Tittel;
Wird nicht ein Oedipus die schwartze Brust entdecken
Bleibt im Verwesen doch eur Stand und Wesen stecken.
Baut hohe Gräber auff bedeckt mit einer Last
Von Jaspis und Porphyr die dorrenden Gebeine
Schreibt Nahmen Thun und Amt in Taffend und Damast
In Holtz in Gold und Ertz in festen Stahl und Steine;
Zeit Moder Fäule Rost weiß alles zu entstalten:
Des Nachruhms Ewigkeit ist anders zu erhalten.
Sucht in des Cörpers Glutt für todten Nahmen Licht
Es wird sein Glantz so bald als diese Flamme schwinden.
Ein unverzehrlich Oel wenn sein Gefässe bricht
Muß durch die Lufft berührt samt eurem Ruhm erblinden.
Der Mahler pflegt sein Licht mit Schatten zu erhöhen;
In schwartzen Schrifften bleibt die Tugend helle stehen.
Weil in Pelaßger-Land die Künste hielten Hauß
Sind seine Lorbeer-Zweig auch unversehrt beklieben;
Rom breit'te seinen Ruhm durch Schwerdt und Feder aus:
Was Cäsar hat gethan das hat er auch geschrieben.
Der Deutschen Dichterey der Barden Helden-Lieder
Belebten Mannus Geist Tuiscons Asche wieder.
Wem wär Epaminond ohn kluge Schrifft bekandt?
Wer wolte nach Athens und Spartens Fürsten fragen?
Wo bliebe Lysimach der Leuen überwand?
Würd auch die Welt was mehr vom Großen Grichen sagen?
Es hätt ihr Nahme längst wie sie vermodern müssen
Wenn sie kein weises Buch der Sterbligkeit entrissen.
Izt wär Horatius auff beyden Augen blind
Die Flamme kühner Hand die sich so frey vergriffen
Und freyer noch gestrafft verrauchet in den Wind
Duil umsonst so offt er Essen gieng bepfiffen
Roms Schutz-Stab Scipio verfaulet und zerbrochen
Wenn nicht ein Livius für sie das Wort gesprochen.
Doch weil der Eitelkeit ein enges Ziel gesteckt
Weil Bücher auch vergehn und Ehren-Säulen wancken
Siegs-Zeichen fallen um und Grauß den Marmel deckt
Weil Schrifften sich verliern aus Augen und Gedancken
Muß sie ein kluger Geist zu Zeiten wieder regen
Und auff die alte Müntz ein neues Bildnis prägen.
Eh Guttenberg die Kunst zu schreiben ohne Kiel
Zu reden für das Aug und Wörter abzumahlen
In Deutschland auffgebracht als nur ein Rohr vom Nil
Als Leinwand oder Wachs als Blätter oder Schalen
Als eines Thieres Haut allein gedient zu Schrifften
Wer konte da der Welt ein lang Gedächtnis stifften?
Wie sind Polybius und Dio mangelhafft?
Was hat uns nicht die Zeit vom Tacitus genommen
Vom Curtius geraubt vom Crispus weggerafft
Was ist vom Ammian in unsre Hände kommen?
Viel andre haben zwar von andern viel geschrieben
Ihr Nahmen aber selbst ist uns kaum übrig blieben.
So hat der leichte Wind vorlängst davon geführt
Was Libis auffgesezt die Barden abgesungen.
Wo wird der zehnde Theil von diesem mehr gespürt
Was noch zu Celtens Zeit geschwebt auff tausend Zungen?
Und muß was übrig ist nicht vollends untergehen
Weil kaum der Deutsche mehr den Deutschen kan verstehen?
Manch Ritter edlen Blutts besang was er gethan
Ob gleich sein Helden-Reim nicht klang in zarten Ohren
Man trifft von alter Zeit mehr als ein Merckmahl an
Daß unser Schlesien zur Dichterey gebohren
Wann selber dessen Fürst ein Heinrich uns sein Lieben
(Und anders mehr vielleicht) in Liedern hat beschrieben.
Die Stücke sind zwar schlecht die auff uns kommen seyn
Und kan man wenig Licht in solchem Schatten finden
Die Funcken geben bloß aus bleichen Kohlen Schein
Doch sind sie unsern Sinn noch fähig zu entzünden:
Und daß die Kinder auch was Ahnen thäten lernen
So muß ein neuer Glantz ihr dunckles Grab besternen.
Ein Fremder schreibt von uns mit ungewisser Hand
Sieht mit geborgtem Aug' und redt mit andrem Munde
Ihm ist des Landes Art und Gegend unbekandt
Gemeiner Wahn und Ruff dient ihm zum falschen Grunde.
Offt nimmt er Ort für Mann und was er recht soll nennen
Wird doch der Landsmann kaum in seiner Sprache kennen.
Rom klebt die Hoffart an was nach der Tiber schmeckt
Geht Tagus göldnem Sand und Isters Strömen oben
Wird nicht der Nachbarn Ruhm durch Eyffersucht befleckt
So sieht man selten doch den Feind nach Würden loben;
Weil sich die halbe Welt gelegt zu seinen Füssen
Hat aller Barbarn Preiß für ihm verstummen müssen.
Des Grichen Buch ist offt ein leerer Fabel-Klang
Der eingebildte Witz umnebelt sein Gehirne
Und weil der Deutschen Schwerdt ihm biß ans Hertze drang
So scheint ihm noch der Gram zu stecken in der Stirne;
Zeugt nicht von seinem Haß und Irrhum zur Genüge
Daß er den Galliern schreibt zu der Deutschen Züge?
Kömmts auff die neue Zeit: wo selber Francken seyn
Die haben deutsch zu seyn durch Lufft und Zeit vergessen.
Ihr stoltzer Hoch mutt wächst macht andre Völcker klein
Und trachtet allen Ruhm sich selber beyzumessen.
Will man den Spanier will man den Welschen fragen
Ihr wenig werden uns gleich-zu vom Deutschen sagen.
Doch schwätz ein Fremder Feind und Neyder was er will
Das Lob der Tapfferkeit muß unsern Deutschen bleiben.
Ist ihre Redligkeit verschmizter Nachbarn Spiel
Kan sie doch keine List aus ihrem Lager treiben
Und was nicht fremde Faust der Warheit will vergünnen
Wird noch wohl von sich selbst der Deutsche schreiben künnen.
Was aus Minervens Stadt zum Capitol ward bracht
Deß weiß sich unser Land mit Nutzen zu bedienen
Die Straß ist zum Parnaß aus Deutschland längst gemacht
Man sieht manch Lorbeer-Reiß bey unsern Palmen grünen
Corinthus und Athen hat Deutschlands Faust erstiegen.
Wer weiß schreibt sie nicht auch von ihren Ritter-Siegen?
Nur um die Helden ists am meisten izt zu thun
Die durch die lange Zeit zum andern mahl gestorben
An unbekandtem Ort ohn einig Denckmahl ruhn:
Doch haben sie nunmehr was sie gesucht erworben
Begehrestu Bericht was Deutsche vor gewesen
So kanst du LOHENSTEINS berühmten HERMAN lesen.
Das Feuer dieses Geists ist deutscher Welt bekannt
Man weiß wie Mund und Kiel mit Nachdruck konte spielen.
Was er für Land und Stadt für Arbeit angewandt
Wird noch mit mehrem Danck die späte Nachwelt fühlen.
Was ich bey dieser Schrifft am seltzamsten gefunden
Ist daß sie die Geburt der seltnen Neben-Stunden.
Flöst Argenis mit Lust der Klugheit Lehren ein
So spürt man solche hier mit vollem Strome quellen
Entdeckt man hier und dar Poetscher Farben Schein
Der Deutsche pflag sein Lob in Dichterey zu stellen.
Hat sich Erlauchte Hand bemüht mit Aramenen
So muß ein Lorber auch die Schreibens-Art bekrönen.
Was sonsten Müh und Fleiß aus hundert Büchern sucht
Wird hier als im Begriff mit Lust und Nutz gefunden
Wie Chautz und Catte streit Cheruse und Frise fucht
Wie Quad und Hermundur verachten Tod und Wunden
Vom alten Gottesdienst der Fürsten Reyh und Leben
Kan dieses edle Werck vergnügte Nachricht geben.
Doch bindt sich diß nicht nur an deutscher Gräntze Ziel
Es zeigt den Kern von Roms und Morgenlands Geschichten.
Wer sich gelehrt verliebt und Staats-klug weisen will
Sieht was er nur verlangt in Reden und Gedichten.
Er kan auch will er sich zu suchen unterwinden
In diesem Buche viel von nähern Zeiten finden.
Den Mann und Ort verkehrt der Zeiten schneller Lauff
Ein neuer Schau-Platz zeigt was Vor-Welt auch gesehen.
Löst doch mit Unterscheid manch Nahmens-Räthsel auff
So find ihr was vorlängst und neuer ist geschehen.
Das Wachsthum Oesterreichs den Ruhm von seinen Helden
Wird euch der Unterricht von Hermans Vorfahrn melden.
Zieht izt die Sein an sich der Tiber alte Pracht
Tracht durch Gewalt und List zu seyn das Haubt der Erden
Genung daß Herman noch für Deutschlands Freyheit wacht
Daß Varus und Segesth von ihm besieget werden
Der Sonn aus Oesterreich die Neben-Sonnen weichen
Die Hochmutt auffgeführt und Stambols Monden bleichen.
Diß hat der kluge Geist gewünscht und vorgesagt
Der Sultan Ibrahims verdienten Fall besungen.
Wann er die Zeit erlebt da dieser Wunsch vertagt
Hätt' er mit Hermans Lob noch höher sich geschwungen:
Er hätte dieses Buch noch weiter führen müssen
Und mit dem höchsten Ruhm der Käyser Siege schlüssen.
Wir nehmen unterdeß zum frohen Zeichen an
Das jene wie diß Buch solln seyn ohn Schluß und Ende.
Daß aber auch die Welt den Schatz genüssen kan
Ist dieses Buches Schluß ersezt durch Freundes Hände.
So lange man nun wird der Tugend Ehre geben
Wird unser LOHENSTEIN in seinen Schrifften leben.