Zu viele und zu wenige Bestrafung einiger vermeynten und anderer nicht dafür geh...
Wie ich schon oftermahls erwogen,
Daß auch von ganz gleichgült’gen Sachen
Wir, leider! öfters Laster machen,
Und daß oft gar zur Sünde wird gezogen,
Was niemahls Sünde war;
So find ich dieß hingegen,
Daß wir das, welches offenbar
Zur Sünden-Liste hinzurechnen, meist ganz zu übergehen
pflegen.
Zum Beyspiel: wenn man Thiere quälet,
Mit vielen Martern sie entseelet,
Sie, ohne Nutz, zum Zeit-Vertreibe plagt,
Und sie beschwehrt mit Schmerz und Pein,
Da doch die Schrift uns nicht nur deutlich sagt
Vom Seufzen der Geschöpf, da die Vernunft so gar
Uns überzeuglich lehrt, und zeigt uns Sonnen-klar,
Daß sie sowohl, als wir, Geschöpfe GOttes seyn,
Daß man in ihnen auch den Schöpfer ehrt,
Daß sie, Betrachtungs-wehrte Gaben,
Die unserer Bewundrung wehrt,
Von GOtt, in reicher Maaß, empfangen haben,
Daß, ob sie uns gleich unterworfen worden
zum Nutzen, zur Bequemlichkeit,
Wir dennoch nicht befugt, ohn’ Unterscheid,
Aufs grausamste sie zu ermorden.
Kein Würmchen ist so klein, dem wir das Leben,
Mit aller unsrer Macht, zu geben
Vermögend seyn.
Wenn dieß nun, für den Wurm, ein unschätzbares Gut;
Wie kann man glauben,
Daß man daran nicht Unrecht thut,
Wenn wir es ihm aus Frevel rauben,
Ja noch dazu mit Pein und Quälen
Jhn oft zerfleischen und entseelen.
Wie letzters nun zumahl den gröbsten Unverstand,
Da ihnen ihre Schuld und Bosheit unbekannt,
Aus Mangel der Belehrung, zeiget;
So ist es wahrlich zu beklagen,
Daß man von diesem Unrecht schweiget,
Und daß wir nichts hievon, zu ihrer Lehre, sagen.
Noch mehr. In GOttes Wunder-Werken
Des Schöpfers Weisheit, Liebe, Macht,
So unglückselig nicht bemerken,
Wird ebenfalls für Sünde nicht geacht,
Da es doch klärlich darzuthun,
Daß vieler Sünden Ströhm’ in dieser Sünde ruhn.
Ich habe wohl zuweilen nachgefraget:
Woher es käme, daß man, GOtt zum Abbruch gleichsam
Seiner Ehre,
In diesem Punct so blind und unempfindlich wäre?
So hieß es mehrentheils: Hievon hat uns der Priester
nichts gesaget.
Wie es nun recht und gut, mit völligem Vertrauen
Auf unsrer Lehrer Lehren bauen;
So folgt zugleich unwiedersprechlich dieß,
Daß, da wir glauben, was sie sagen,
Sie auch verbunden sind also sich zu betragen,
Daß etwas nöhtiges, zum Ruhm des Schöpfers Himmels
und der Erden,
Nicht muß verschwiegen seyn, nicht unterlassen werden.
Und fragt sich, wenns geschicht, ob sie nicht fast allein
Am allersträflichsten, der Folge halber, seyn?
Ob ich nun gleich dieß unsern Lehrern nicht gerne hier zu
Laste lege,
Da ich für ihr so heilig Amt und sie, viel’ Ehrerbietung
hege;
So deucht mich doch, wenn ich die Umständ’ und der Ge-
wohnheit Macht erwege,
Daß ich von ihnen einige doch zu ersuchen schuldig bin,
Damit dieselben künftighin
Mit mehrerm Ernst die Sünde strafen.
Wodurch wir, wenn wir GOtt nicht spühren
In Seinem Werk, das Er jedoch für uns, zu Seiner
Ehr', erschaffen,
Und woraus Er allein erkenntlich, wir leicht den Schöpfer
selbst verlieren,
Zumahl die Hörer, wenn sie GOtt nicht recht als ihren
Schöpfer lieben,
Sie dieß Vergehen mehrentheils auf ihrer Lehrer Schwei-
gen schieben.