Zufällige Gedancken über ein Thau- Tröpfchen.

By Barthold Heinrich Brockes

Wie ich, nach verschwundner Nacht,

Jüngst, im angestrahlten Thau,

In der Tropfen Meng’ und Pracht

Tausend Sonnen-Spiegel schau;

Zieht, vor andern, Blick und Sinn

Ein vor andern helles Tröpfgen, durch sein Funckeln, zu sich

hin;

Da ich denn, mit Lust erfüllt,

Nicht nur ein klein Sonnen-Bild,

Auf der Ründung äussern Höhe,

Als ein blitzend Lichtgen, sehe;

Sondern, da der Thau so klar,

Wie die reinesten Cristallen;

Seh ich dieses Lichtgen gar

Durch des Tröpfchens Cörper fallen

Auf ein nah gewachsnes Blat,

Wo es denn verlängt, gespitzt,

Die Figur von einem Strahle, der in langem Strich-

blitzt,

Durch das Blat gedrückt, erhält. Wie ich solchen nun

betrachte,

Und so wol auf seine Läng’, als den runden Ursprung, achte;

Fällt von ungefehr mir bey:

Ob dieß nicht vielleicht ein Bild strahlender Cometen sey?

Wie! gedacht’ ich, wenn der Cörper der Cometen bey der

Ründe,

(so wie ich hier in dem Tropfen, welcher gantz durchsichtig,

finde)