Zufällige Gedanken, wie es stark schneiete.

By Barthold Heinrich Brockes

Wenn ich das schwärmende Gewirre von nicht zu

zehl'nden Theilen Schnee,

Getrieben durch verschiedne Winde, wild durch einander

fliegen seh,

Und, mit unordentlichem Drang, von Millionen Orten

eilen,

Doch all' herabwerts fallen schau; fällt mir bey ihren

Wirbeln ein:

Welch ein entsetzliches Gemisch muß von des ersten Chaos

Theilen,

Wie aller Meer' und Erden Stoff sich durch einander

hergelenkt,

Und zum gemeinen Mittelpunct sich überall herabgesenkt,

Auf ihres Schöpfers Allmacht-Wort, im Augenblick ent-

standen seyn!

Es schwindelt der beherztste Geist, er stutzt, er weiß sich

kaum zu lassen,

Noch von den recht entsetzlichen Bewegungs-Kräften was

zu fassen,

Erstaunet ob der Theile Menge, doch bleibet ihm die Kraft

allein,

Die Allmacht-Kräfte zu bewundern, die sich in nichts so

deutlich weisen,

Als, in so greulicher Verwirrung, dennoch ein’ Ordnung

auszufinden,

Und das, was nicht verbindlich scheint, so wunderbarlich

zu verbinden,

Wahrhaftig wohl ein würd’ger Vorwurf, in tiefer Ehr-

furcht, GOtt zu preisen!

Damit nun dieses öfterer, zu GOttes Ruhm, von mir

gescheh,

Soll mich, so oft ich die Verwirrung so ungezählter Theil’

im Schnee,

In wild- und flüchtiger Bewegung, von oben abwerts

fallen seh,

Es mir zu einem Lehrbild dienen: So oft sie schnell herab

sich senken,

Will ich an GOttes weise Macht, im

Schöpfung, denken.