Zuflucht

By Paul Heyse

Written 1872-01-01 - 1872-01-01

Und so hebst du meiner Seele

Schleier mit der weichen Hand,

Daß sie nichts mehr dir verhehle,

Die errötend vor dir stand.

Ach, was ihr im Übermute

Lieblich an ihr selber deucht',

Seit darauf dein Auge ruhte,

Ist der eitle Wahn verscheucht.

Nun entkleidet ihrer Flittern,

Nun so scheu in sich geschmiegt

Überrieselt sie ein Zittern,

Zwischen Glück und Scham gewiegt.

Bis sie sich mit heft'gem Triebe

Dicht an deine Seele schließt

Und die Fülle deiner Liebe

Wie ein Schleier sie umfließt.