Zum Beschluß eines Balles

By Leopold Friedrich Günther von Goeckingk

Written 1784-01-01 - 1784-01-01

Sehet dort! Aurora schaut

Ueber jenes Berges Gipfel,

Und nach seines Deckbetts Zipfel

Gähnt der alte Vater laut.

Höret auf! die Mütter schelten!

Höret auf! die Tochter muß

Jeden Tanz und jeden Kuß

Zwiefach sonst noch heut entgelten.

Hüllet euch, ihr Mädchen, ein,

Horchet nun im bunten Kreise

Auf der Tassen Klang, und leise

Stimmt in unsre Lieder ein;

Daß des Busens hohe Wellen

Nicht des Nebels feuchtem Duft'

Und der kühlen Morgenluft

Und dem Arzt' entgegen schwellen.

Aus der letzten Schaale Punsch

Laßt das Glas mit Dank uns füllen.

Dank den Vätern, denn sie stillen

Gern der jüngern Herzen Wunsch.

Lebt denn hoch, ihr guten Väter!

Reibt euch, zweifelnd, nicht den Bart,

Denn an eurer Nachsicht ward

Keiner von uns zum Verräther.

Auch den Müttern unsern Dank

Aus der bald geleerten Schaale,

Daß aus ihres Auges Strahle

Nicht den Töchtern drohet Zank.

Lebt denn hoch, ihr guten Mütter!

Aber laßt das Um-sich-schaun.

Selbst an eurem Unvertraun

Wird kein edler Mann zum Ritter.

Füllet nun zum letztenmal

Eure Gläser bis zum Rande.

Leb' und schlafe wohl, Amande!

Und gedenk' an diesen Saal.

Gute Nacht, ihr Schönen alle!

Gleich sey eure Phantasie

Unsrer Tänze Melodie,

Und an Freude diesem Balle.