Zum Herbst im Walde.
Jtzt sieht man in den tiefen Gängen
Sich viele Farben lieblich mengen,
Verschiedne Stellen schön sich röhten,
Verschiedne gleichsam sich vergülden,
Wodurch sie Persische Tapeten,
Mit Golde reich durchwirket, bilden.
Viel’ gelb gewordne Zweige schienen,
In dem noch unverwelkten Grünen,
Jm Sonnen-Licht, auf manchen Stellen,
Den Zweig Aeneas vorzustellen,
Der ihm selbst, durch Cocytus Schwellen,
Ein sicheres Geleite gab.
Die bunten Steige selber liessen,
Von Blättern, die von oben ab
Gefallen, selber unsern Füssen
Gefärbte Teppich’ abzugeben.
Der Fuß, um sie nicht zu verderben, scheut oftermahls sich
aufzuheben.
Die Farben scheinen auf den Bäumen itzt gleichsam, uns zur
Lust, zu kämpfen,
Die Gelbe sucht das nahe Grün, durch ihr erhabner Licht,
zu dämpfen,
Das Rohte dämpft das Gelbe wieder, und bey derselben
hellen Pracht,
Nimmt man zugleich die Mittel-Farben, im mannigfachen
Grad', in Acht.
Dieselben sind fast nicht zu zählen, und ihr gebrochenes
Gemische
Ziert, in gedämpfter Harmonie, itzt überall so Bäum’ als
Büsche,
Und diese zieren Luft und Erde. Es sieht ein achtsames
Gesicht,
So weit es itzo sehen kann, ein buntes allgemeines Licht.
Die mit den welken Blättern gleichsam mit-abgefallne
Schatten sind
Fast itzo nirgend mehr zu finden, im ganzen Walde sehr
verdünnt,
Wodurch das zwar gemilderte, doch itzt fast allgemeine
Licht
Ein fanft Gemisch von Farben zeigt, das dem betrachtenden
Gesicht
Auf eine neue Weise schmeichelt. Man kann, auf neue
Weise, seh'n,
Wie die sich schildernde Natur, auch öfters ohne Schatten,
schön.
Ja, wenn der Sonnen-Strahl von oben, durch die gefärbte
Blätter, strahlet,
Scheint alles in dem ganzen Walde nicht bunt allein, und
schön gemahlet,
Es scheint vielmehr der ganze Wald mit einem bunten Glanz
gezieret,
Und alles um und über uns recht in der That illuminiret.
O, welche Lust! wenn man in solcher Jllumination
spatziret,
So daß ein achtsames Gemüht
Die Welt, im Herbst, nicht minder schön, als im gefärbten
Frühling, sieht,
Zur Ehre Deß, Der auf der Welt
Der Jahr’ und Zeiten Wechsel schuf, sie unveränderlich
erhält,
Und uns dadurch vergnügt und nützt. Indem wir, wenn
wir uns ergründen,
Noch mehr, als im beständ’gen Guten, Vergnügen in dem
Wechsel finden.
Was werden wir denn auf der Welt vernünftiger verrich-
ten können,
Als Dem, Der uns so manche Lust auf dieser Erden wollen
gönnen,
Der uns Gesicht und Augen schenkt, Der, zum Beweis, daß
Er uns liebet,
So viele Vorwürf’, uns zur Freude, zumahl das helle Licht
uns giebet,
Für uns der Erden Fläche schmückt, ein froh und dankbar
Herz zu geben,
Uns Sein, in Seinen Wundern, freu’n, sie, wie sie wunder-
würdig schön,
Mit einem aufmerksamen Geist, zu Seinen Ehren, anzu-
seh'n,
Nur Jhn, in unsrer eignen Lust, die Jhm gefällig, zu er-
heben,
Und Seine Weisheit, Lieb’ und Macht recht zu bewundern
uns bestreben?