Zur Frühlings-Nacht.
Ein solcher Schatz von vieler Anmuht erfüllt mit Wundern
unsre Welt,
Wenn ein entwölkter Frühlings-Tag allmählich in den
Abend fällt.
Doch hört die gütige Natur, auch noch nicht einst im Dun-
keln, auf,
Uns neue Schätze zu verschwenden, mit neuer Lust uns
zu beglücken,
Und, da sie nicht die Erde kann, für uns den Himmel,
auszuschmücken.
Des Mondes Silber-weisser Kreis beschleunigt seinen hel-
len Lauf
In reiner Luft noch einst so rein. Es sind an den sapphir-
nen Höhen
Viel tausend schütternde Brillanten im hellen Sternen-
Heer zu sehen.
Ist es nun möglich und begreiflich, in solcher Anmuht
Fluht zu schwimmen,
In einer mit so schönen Wundern ganz angefüllten Welt
zu leben,
Wo so viel tausend Herrlichkeiten an allen Orten uns um-
geben,
Und doch dieselben nicht bemerken, um Dem ein Loblied
anzustimmen,
Der sie so überschwenglich schenkt! Kann wohl ein Mensch
mit Recht verlangen,
Er habe einen weisen Geist und eine kluge Seel’ empfangen,
Da er doch in dem größten Vorwurf, in welchem man
den Schöpfer ehrt,
Nicht besser, als das dummste Vieh, mit GOttes Creatur
verfährt,
In welcher Gott sich ihm doch zeiget, und welche meh-
rentheils allein
Die allerdeutlichsten Beweise von Seinem wahren Da-
seyn seyn!
Von welchen, ohne Widerspruch, wir alle dieß bekennen
müssen:
Daß, ohne göttliche Geschöpfe, wir nichts von einem
Schöpfer wissen.