Zuversicht

By Clara Müller-Jahnke

Written 1882-01-01 - 1882-01-01

Nun mag kommen, was da will,

mag die Lust verwehen:

Jedem Unglück halt ich still,

seit ich dich gesehen!

Seit ich dir im Arm geruht,

schreckt mich nicht der Hölle Glut,

find ich noch in Schmerzen

Trost an deinem Herzen.

Mag dich hundert Meilen auch

weit das Schicksal führen,

mein ich deines Mundes Hauch

immer noch zu spüren,

strahlt mir deiner Augen Schein

leuchtend bis ins Herz hinein –

wenn mir nichts mehr bliebe,

bleibt mir deine Liebe!

Will ich heut vom Haupte mir

eine Locke trennen,

sollen morgen schon auf ihr

deine Lippen brennen, –

deine Lippen, die sich fest

jüngst auf meinen Mund gepreßt,

dort in seligen Stunden

süße Rast gefunden.

Draußen unter Schnee und Eis

will der Lenz sich regen,

aus den Wolken rauscht es leis,

linder Gottessegen.

Liebster, schau: die Welt erwacht . . .

Höher als die Frühlingspracht,

als die Blütentriebe

preis ich deine Liebe.