Zwei Könige

By Emanuel Geibel

Written 1833-01-01 - 1833-01-01

Zwei Könige saßen auf Orkadal,

Hell flammten die Kerzen im Pfeilersaal.

Die Harfner sangen, es perlte der Wein,

Die Könige schauten finster drein.

Da sprach der eine: „Gib mir die Dirn'!

Ihr Aug' ist blau, schneeweiß ihre Stirn.“

Der andre versetzte in grimmem Zorn:

„Mein ist sie und bleibt sie, ich hab's geschworn.“

Kein Wort mehr sprachen die Könige drauf,

Sie nahmen die Schwerter und stunden auf.

Sie schritten herfür aus der leuchtenden Hall';

Tief lag der Schnee an des Schlosses Wall.

Es sprühten die Fackeln, es blitzte der Stahl -

Zwei Könige sanken auf Orkadal.