Zweyhundert und achtzigstes Sonett.

By Francesco Petrarca

Written 1339-01-01 - 1339-01-01

Nie thränlos wird mein Blick, nie ungerühret

Werd' ich und ruhig jene Zeilen schauen,

Aus denen Liebesfunkeln scheint zu thauen,

Die Mitleid wie mit eigner Hand gezieret;

Geist, der im Erdenkampf du triumphiret,

Nun solche Süße träufst aus Himmelsauen,

Daß du zum Griffel, dem des Todes Grauen

Entfremdet mich, mein Lied zurückgeführet;

Ich hoffte, andre Frucht dir noch zu weisen

Von zartem Zweig'; – welch' wilden Sternes Neiden

Nahm dieses uns? O Hort, auf welchen Gleisen,

Durch wen mußtest zu früh du von uns scheiden?

Dich sieht mein Herz, dich will die Zunge preisen;

Du, süßer Seufzer, stillst der Seele Leiden.