Zweyhundert und erstes Sonett.

By Francesco Petrarca

Written 1339-01-01 - 1339-01-01

Zu Amor mußt' und muß ich jetzt noch flehen,

Mir eure Gnade wieder zu gewinnen,

Süß Leiden, herbe Lust! wenn treues Minnen

Mich abwärts zog von graden Pfades Höhen.

Nicht läugn' ich's, Herrinn, könnt' auch nicht geschehen,

Daß die Vernunft, so alle Guten inne

Zügelt, der Lust erliegt, die oft von hinnen

Mich führt, wohin mich's treibt, ihr nach zu gehen.

Ihr mit dem Herzen, daß der Himmel gnädig

Mit hellem Geist und hoher Tugend kläret,

Wie je von güt'gem Stern herabgeglommen,

Mitleidig müßt ihr sprechen, Zornes ledig:

„Was kann er sonst? Mein Antlitz ihn verzehret;

Begieriger, ich schön. – Kann's anders kommen?“