Vi .

By Annette von Droste-Hülshoff

Weh, Glockensturm! Trompetenstoß! und Spritzen rasseln

durch die Gassen,

Der aufgeschreckte Pöbel drängt und kräuselt sich in wüsten

Massen,

Hoch schlägt die Brunst am Giebel auf, Gewieher kreischt

aus Stall und Scheunen,

Der Eimer fliegt hinab, hinauf, umhergestoßne Kinder

weinen,

Und zögernd steigt das Morgenroth

Dem doppelt Glut entgegen loht.

Es war beim ersten Hahnenschrei als alle Bürger aufge-

schüttert

Mit Schlossenpfeifen Knall auf Knall; so gräulich hat es nie

gewittert!

Grad ob des reichen Böhmen Dach, des Täuschers, ballte

sich das Wetter,

Wo Blitz an Blitze niederzuckt, mit ohrbetäubendem Ge-

schmetter,

Nun überall an Scheun' und Haus

Prasselt der Flammenhaag hinaus.

Im Hof die Knechte hin und her mit Axt und Beilen fluchend

rennen,

Wer schob die innern Riegel vor? die Thüren weichen nicht

und brennen,

„der Herr! der Herr!“ ruft's hier und dort: „wo ist der Herr!“

daß Gott ihm gnade,

An seinem Kammerfenster leckt die Loh' aus der geschlossnen

Lade!

Und eben krachte in's Portal

Die Stiege zu dem obern Saal!

Entsetzt Gemurmel läuft umher und schwillt in des Gedränges

Wogen,

Dann Alles todtenstill, sie stehn, die Brauen finster einge-

zogen;

So um den Scheiterhaufen einst gruppirten sich des Südens

Söhne:

„da brennt der Schächer, dessen Vieh das Land verlockt mit

fremder Schöne

Und kaum verkauft, am dritten Tag,

Ein todtes Aas im Stalle lag!

Der Gaukler brennt, aus dessen Gurt ein wunderlich Ge-

klingel surrte,

Daß man in rabenschwarzer Nacht ihn kennen mocht' an

seinem Gurte,

Der keine Kirche je betrat, vor keinem Gnadenbild sich neigte,

Wenn ihm begegnet Christi Leib von Schwindel stammelt'

und erbleichte,

Im gottgesandten Element

Der Täuscher, mit der Kuppel, brennt!“