1.

By Johann Georg Gressel

Schreibst du es der Feindschafft zu?

Daß der Bock gern bey der Ziegen

Und der Ochse bey der Kuh

Mag im grünen Grase liegen.

Ist es Hassen oder Lieben

Was die Turtel-Tauben üben?

Wenn der Tauber gantz vergnügt

Sich zur treuen Tauben fügt.

Meynst du daß die Grausahmkeit

Jhren Ursprung hergenommen

Von der süssen Frühlings-Zeit?

Die jetzt lieblich angekommen

Und zur Liebes-Lust beweget

Was die Welt an Thieren heget

Auch den Männern zeiget an

Wie man Frauens lieben kan.

Kanst du denn so gar nicht sehn?

Wie anjetzo alle Sachen

In verliebten Flammen stehn

Und vor grosser Wollust lachen.

Schau des Taubers artigs stellen

Der um seinen Eh-Gesellen

Mit verliebten Murmeln fliegt

Und sich küssend zu ihr fügt.

Hör die Nachtigalle an

Die von Zweig zu Zweigen springet

Und so helle wie sie kan

Mit erhobner Stimme singet

Seht die hellen Liebes-Flammen

Schlagen über mich zusammen

Sehet! wie mein Hertze brennt

Die ihr

Und als wenn dir unbewust?

Was die kluge Schlange treibet

Die das Gifft vor ihrer Lust

Erst der Erden einverleibet

Drauf zu ihrem Buhlen eilet

Der die Liebe mit ihr theilet;

Denn die Liebe will allein

Nur lust-und nicht gifftig seyn.

Es vergeht die Grausamkeit

Denen wilden Tyger-Thieren;

Und wenn

Muß der Löw den Stoltz verliehren:

Jedoch deine harten Sinnen

Wollen diesen abgewinnen

Nichtes ist so wild als du

Du schleust dein Hertz

Doch was sage ich allhier!

Da die Löwen Tyger Schlangen

Mit Empfindung gleich als wir

Und mit gleicher Fühlung prangen.

Aber da der Bäume-Rinden

Amors heisse Macht empfinden

Kenn’ ich nichtes so dir gleicht

Dir der

Mit Verwundern kanst du sehn

Wie des Weinstocks schlancke Reben

In so grosser Inbrunst stehn

Und des Männleins Stamm umgeben;

Jhre Liebe ist so hefftig

Daß sie immerdar geschäfftig

Wie sie ihren lieben Mann

Gantz genau umarmen kan.

Schau die Tannen sind verliebt

Und die Fichte küst den Fichten

Der Ulm seine Braut umgiebt

Darnach sich die Weiden richten.

Auch die Büche fühlet Flammen

Und seufftzt nach der Liebsten Stammen.

Eichen die so hart und wild

Sind mit Liebe angefüllt.

Hättest du Geist und Verstand?

Wüstest du die Kunst zu lieben?

Würden dir nicht unbekandt

Jhre Seuffzer seyn geblieben;

Jhre stummen Liebes-Thaten

Hätte dein Gehirn errahten

Und der Liebe ihre Macht

Würde mehr von dir geacht.