1.
Schreibst du es der Feindschafft zu?
Daß der Bock gern bey der Ziegen
Und der Ochse bey der Kuh
Mag im grünen Grase liegen.
Ist es Hassen oder Lieben
Was die Turtel-Tauben üben?
Wenn der Tauber gantz vergnügt
Sich zur treuen Tauben fügt.
Meynst du daß die Grausahmkeit
Jhren Ursprung hergenommen
Von der süssen Frühlings-Zeit?
Die jetzt lieblich angekommen
Und zur Liebes-Lust beweget
Was die Welt an Thieren heget
Auch den Männern zeiget an
Wie man Frauens lieben kan.
Kanst du denn so gar nicht sehn?
Wie anjetzo alle Sachen
In verliebten Flammen stehn
Und vor grosser Wollust lachen.
Schau des Taubers artigs stellen
Der um seinen Eh-Gesellen
Mit verliebten Murmeln fliegt
Und sich küssend zu ihr fügt.
Hör die Nachtigalle an
Die von Zweig zu Zweigen springet
Und so helle wie sie kan
Mit erhobner Stimme singet
Seht die hellen Liebes-Flammen
Schlagen über mich zusammen
Sehet! wie mein Hertze brennt
Die ihr
Und als wenn dir unbewust?
Was die kluge Schlange treibet
Die das Gifft vor ihrer Lust
Erst der Erden einverleibet
Drauf zu ihrem Buhlen eilet
Der die Liebe mit ihr theilet;
Denn die Liebe will allein
Nur lust-und nicht gifftig seyn.
Es vergeht die Grausamkeit
Denen wilden Tyger-Thieren;
Und wenn
Muß der Löw den Stoltz verliehren:
Jedoch deine harten Sinnen
Wollen diesen abgewinnen
Nichtes ist so wild als du
Du schleust dein Hertz
Doch was sage ich allhier!
Da die Löwen Tyger Schlangen
Mit Empfindung gleich als wir
Und mit gleicher Fühlung prangen.
Aber da der Bäume-Rinden
Amors heisse Macht empfinden
Kenn’ ich nichtes so dir gleicht
Dir der
Mit Verwundern kanst du sehn
Wie des Weinstocks schlancke Reben
In so grosser Inbrunst stehn
Und des Männleins Stamm umgeben;
Jhre Liebe ist so hefftig
Daß sie immerdar geschäfftig
Wie sie ihren lieben Mann
Gantz genau umarmen kan.
Schau die Tannen sind verliebt
Und die Fichte küst den Fichten
Der Ulm seine Braut umgiebt
Darnach sich die Weiden richten.
Auch die Büche fühlet Flammen
Und seufftzt nach der Liebsten Stammen.
Eichen die so hart und wild
Sind mit Liebe angefüllt.
Hättest du Geist und Verstand?
Wüstest du die Kunst zu lieben?
Würden dir nicht unbekandt
Jhre Seuffzer seyn geblieben;
Jhre stummen Liebes-Thaten
Hätte dein Gehirn errahten
Und der Liebe ihre Macht
Würde mehr von dir geacht.