5.

By Georg Friedrich Philipp von Hardenberg

Written 1787-01-01 - 1787-01-01

Das furchtbar zu den frohen Tischen trat

Und das Gemüth in wilde Schrecken hüllte.

Hier wußten selbst die Götter keinen Rath

Der die beklommne Brust mit Trost erfüllte.

Geheimnißvoll war dieses Unholds Pfad

Des Wuth kein Flehn und keine Gabe stillte;

Es war der Tod, der dieses Lustgelag

Mit Angst und Schmerz und Thränen unterbrach.

Auf ewig nun von allem abgeschieden,

Was hier das Herz in süßer Wollust regt,

Getrennt von den Geliebten, die hienieden

Vergebne Sehnsucht, langes Weh bewegt,

Schien matter Traum dem Todten nur beschieden,

Ohnmächtiges Ringen nur ihm auferlegt.

Zerbrochen war die Woge des Genusses

Am Felsen des unendlichen Verdrusses.

Mit kühnem Geist und hoher Sinnenglut

Verschönte sich der Mensch die grause Larve,

Ein sanfter Jüngling löscht das Licht und ruht –

Sanft wird das Ende, wie ein Wehn der Harfe.

Erinnerung schmilzt in kühler Schattenflut,

So sang das Lied dem traurigen Bedarfe.

Doch unenträthselt blieb die ewge Nacht,

Das ernste Zeichen einer fernen Macht.

Der Jüngling bist du, der seit langer Zeit

Auf unsern Gräbern steht in tiefen Sinnen;

Ein tröstlich Zeichen in der Dunkelheit –

Der höhern Menschheit freudiges Beginnen.

Was uns gesenkt in tiefe Traurigkeit

Zieht uns mit süßer Sehnsucht nun von hinnen.

Im Tode ward das ewge Leben kund,

Du bist der Tod und machst uns erst gesund.

Gehoben ist der Stein –

Die Menschheit ist erstanden –

Wir alle bleiben dein

Und fühlen keine Banden.

Der herbste Kummer fleucht

Vor deiner goldnen Schaale,

Wenn Erd und Leben weicht

Im letzten Abendmahle.

Zur Hochzeit ruft der Tod –

Die Lampen brennen helle –

Die Jungfraun sind zur Stelle –

Um Oel ist keine Noth –

Erklänge doch die Ferne

Von deinem Zuge schon,

Und ruften uns die Sterne

Mit Menschenzung' und Ton.

Nach dir, Maria, heben

Schon tausend Herzen sich.

In diesem Schattenleben

Verlangten sie nur dich.

Sie hoffen zu genesen

Mit ahndungsvoller Lust –

Drückst du sie, heilges Wesen,

An deine treue Brust.

So manche, die sich glühend

In bittrer Qual verzehrt

Und dieser Welt entfliehend

Nach dir sich hingekehrt;

Die hülfreich uns erschienen

In mancher Noth und Pein –

Wir kommen nun zu ihnen

Um ewig da zu seyn.

Nun weint an keinem Grabe,

Für Schmerz, wer liebend glaubt,

Der Liebe süße Habe

Wird keinem nicht geraubt –

Die Sehnsucht ihm zu lindern,

Begeistert ihn die Nacht –

Von treuen Himmelskindern

Wird ihm sein Herz bewacht.

Getrost, das Leben schreitet

Zum ewgen Leben hin;

Von innrer Glut geweitet

Verklärt sich unser Sinn.

Die Sternwelt wird zerfließen

Zum goldnen Lebenswein,

Wir werden sie genießen

Und lichte Sterne seyn.

Die Lieb' ist frey gegeben,

Und keine Trennung mehr.

Es wogt das volle Leben

Wie ein unendlich Meer.

Nur Eine Nacht der Wonne –

Ein ewiges Gedicht –

Und unser aller Sonne

Ist Gottes Angesicht.