58.

By Heinrich Heine

Written 1826-01-01 - 1826-01-01

Der Herbstwind rüttelt die Bäume,

Die Nacht ist feucht und kalt;

Gehüllt im grauen Mantel,

Reite ich einsam im Wald.

Und wie ich reite, so reiten

Mir die Gedanken voraus;

Sie tragen mich leicht und luftig

Nach meiner Liebsten Haus.

Die Hunde bellen, die Diener

Erscheinen mit Kerzengeflirr;

Die Wendeltreppe stürm ich

Hinauf mit Sporengeklirr.

Im leuchtenden Teppichgemache,

Da ist es so duftig und warm,

Da harret meiner die Holde –

Ich fliege in ihren Arm.

Es säuselt der Wind in den Blättern,

Es spricht der Eichenbaum:

„Was willst du, törichter Reiter,

Mit deinem törichten Traum?“