6.

By Nikolaus Lenau

Written 1826-01-01 - 1826-01-01

Ragend steht der blinde Führer

Ziska dort auf seinem Wagen,

Mit der Donnerstimme herrschend,

Wie die heiße Schlacht zu schlagen.

Steht ein Hauptmann ihm zur Linken

Und ein andrer ihm zur Rechten,

Schildern ihm den Ort getreulich,

Wo es gilt, den Kampf zu fechten.

Lager, Zahl und Zug der Feinde

Melden sie, daß er befehle;

Alles schaut er klar im Strahle

Seiner lichten Feldherrnseele.

In den Tagen, eh der Pfeilschuß

Ihm geraubt das Augenlicht,

Blickt' er scharf dem Vaterlande

Ins geliebte Angesicht;

All die Wälder, Ström und Buchten,

Talgewind' und Bergesrücken

Eilt' er damals, dem Gedächtnis

Unauslöschlich einzudrücken.

Und der Genius der Rache

Weiß im Finstern zu erspähen

Jedes Grundstück, wo am besten

Feindesleichen hinzusäen.

Dunkelt auch um Ziskas Körper

Tiefe, schimmerlose Nacht,

Gängelt er doch mit dem Geiste

Leicht sein wildes Kind, die Schlacht.

Hüben lenkt die Nacht des Leibes,

Drüben Geistesnacht die Krieger;

Noch in keiner Schlacht bezwungen,

Bleibt auch heute Ziska Sieger.

Ha! wie lauscht dem Kampf der Blinde!

Er erkennt im Sturm der Luft

Jede Waffe an der Stimme,

Wie herbei den Tod sie ruft.

Wildharmonisch seinem Ohre

Rauscht das Ringen zweier Heere,

Waffen, Schlachtruf, Ziskas Leiblied,

Und im Hinsturz Mann und Mähre.

Freudig hört er, wie die Knechte

Sigismunds hinüberfahren,

All die sächsischen Geschwader

Samt den ungrischen Husaren.

Und dem wilden blinden Ziska

Geht im Heldenrausch der Ohren

Doch die klare Feldherrnruhe

Seines Geistes nie verloren.