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Tief tiefe Nacht, am Schreine nur der Maus geheimes
Nagen rüttelt,
Der Horizont ein rinnend Sieb, aus dem sich Kohlenstaub
entschüttelt,
Die Träume ziehen, schwer wie Blei und leicht wie Dunst,
um Flaum und Streue,
In Gold der hagere Poet, der dürre Klepper wühlt im
Heue,
Vom Kranze träumt die Braut, vom Helm
Der Krieger, und vom Strick der Schelm.
In jener Kammer, wo sich matt der Fenster tiefes Grau
schattiret,
Hörst du ein Rieseln, wie die Luft der Steppe zarten Staub
entführet?
Und ein Gesäusel, wie im Glas gefangner Bremse Flügel
wispelt?
Vielleicht 'ne Sanduhr die verrinnt? ein Mäuschen das im
Kalke rispelt?
So scharf es geht, so bohrend ein
Wie Sensenwetzen am Gestein.
Und dort am Hange — Phosphorlicht, wie's kranken Gliedern
sich entwickelt?
Ein grünlich Leuchten, das wie Flaum mit hundert Fäden
wirrt und prickelt,
Gestaltlos, nur ein glüher Punkt in Mitten wo die Fasern
quellen,
Mit klingelndem Gesäusel sich an der Phiole Wände schnellen,
Und drüber, wo der Schein zerfleußt,
Ein dunkler Augenspiegel gleißt.
Und immer krimmelts, wimmelts fort, die grüne Wand des
Glases streifend,
Ein glüher gieriger Polyp, vergebens nach der Beute greifend,
Und immer starrt das Auge her, als ob kein Augenlied es
schatte,
Ein dunkles Haar, ein Nacken hebt sich langsam an des
Tisches Platte,
Dann plötzlich schließt sich eine Hand
Und im Moment der Schein verschwand.
Es tappt die Diel' entlang, es stampft wie Männertritt auf
weichen Sohlen,
Behutsam tastend an der Wand will Jemand Rathes sich
erholen,
Dann leise klinkt der Thüre Schloß, die losgezognen Riegel
pfeifen,
Durch das Gemach, verzitternd, scheu, gießt sich ein matter
Dämmerstreifen,
Und in dem Rahmen, duftumweht
Im Nachtgewand der Täuscher steht.
Wie ist die stämmige Gestalt zum sehnenharten Knorren
worden!
Wie manches, manches graue Haar schattirt sich an der
Schläfe Borden!
O, diese Falten um den Mund, wo leise Kummerzüge
lauern —
So mocht an Babels Strömen einst der grollende Prophete
trauern,
So der Verfehmte sonder Rast,
Wie ihn Salvator
Genüber, feingeschnitzelt, lehnt die Gnadenmutter mit dem
Kinde,
Das sein vergoldet Händchen streckt wie segnend aus der
Mauerspinde,
Und drunter, in Kristall gehegt, von funkelndem Gestein
umbunden,
Ein überköstlich Heiligthum, ein Nagel aus des Heilands
Wunden;
Zu seiner Ehre Nacht für Nacht
Das Lämpchen am Gestelle wacht.
Nie hat, in aller Schuld und Noth, der Täuscher einen Tag
beschlossen.
Daß nicht an dieser Schwelle ihm ein glüher Seufzer wär'
entflossen,
Selbst auf der Fahrt, auf nächt'gem Ritt, dämmert sein
Auge in die Weite,
Von des Polacken Rücken hat er mühsam sich gebeugt zur
Seite,
Und sein beladnes Haupt geneigt
Woher das Kind die Händlein reicht.
Ein scheuer Bettler Tag für Tag so steht er an des Himmels
Pforte,
Er schlägt kein Kreuz, er beugt kein Knie, nicht kennt sein
Odem Gnadenworte,
Schlaftrunknes Murmeln nur und glüh fühlt er's durch die
Phiole ranken,
Die seinem Leibe angetraut wie ragend Krebsgeschwür dem
Kranken,
Und von dem kargen Lebensheerd
Ein Jahresscheit ist weggezehrt.
Auch jetzt, in dieser Stunde, steht er lautlos, mit gestreck-
ten Knieen,
Nur leises Aechzen und voran! — schau, schau, wie seine
Muskeln ziehen!
Voran! — das Heilthum — der Krystall — er lehnt sich an
die Wand, er schwindelt,
Ein angstvoll Zupfen — ein Gestöhn — er hat den Nagel
losgewindelt,
Und stößt ihn dicht am Heil'genschrein
In der Phiole Siegel ein.
Hui! knallt der Pfropfen, hui, fährt das Glas in Millionen
Splitter!
Gewinsel hier, Gewinsel dort und spinnefüßelndes Geflitter;
Es hackt und prickelt nach dem Mann, der unterm Gnaden-
bilde wimmert,
Bis Faser sich an Faser lischt, des Centrums letzter Hauch
verschimmert,
Und an der Gotteslampe steigt
Das Haupt des Täuschers,