ViII.

By Johann Jacob Bodmer

Die Tanne kam in Ubermuth,

Wie noch seithero mancher thut,

Der öfters dessen muß entgelten.

Sie fieng voll Stoltzes an, den Dornstrauch auszuschelten,

D

Sie sprach: ich bin gantz lang und breit;

Mit Aesten bin ich wohl bekleidt.

Grün ist die Kleidung meiner Zweigen,

Den Wipfel sieht man Luft an steigen.

Mich lobt die Frau und auch ihr Mann.

Ohn’ alles Lob sieht man dich an.

Du bist sonst zu nichts besserm gut,

Als in ein Feuer für die Glut.

Wer dich berührt der wird bald wund.

Dein Stachel ist gar ungesund,

Versehrt er eines Menschen Leib.

Dich haßt der Mann, und auch sein Weib.

Noch manch verächtlich Wort floß ihr vom Munde,

Und sehet, in derselben Stunde,

Kömmt unverwarnt ein Zimmermann,

Mit blanken Sagen, Aext’ und Beilen,

Und scharfgeschliffnen harten Keilen.

Er braucht den starken Arm, und streckt sie auf den Plan

Der Dornstrauch stuhnd gantz sicher in dem Porte.

Derselbe sagt hiernächst zur Tanne diese Worte:

O wie bist du gefallen, stoltzer Baum!

Wie bald, wie tief, von welcher Höhe!

Da ich verachtester noch aufrecht stehe.

Dein Schmuck und deine Würdigkeit,

Dieselben thaten dir dies Leid.

Die Schönheit ists, was dir geschadet hat.

Nun ist dein Ruhm zu Boden und schachmatt.

Wovon du dachtest zu genesen,

Dasselbe ist dein Tod gewesen.