Friedrich Balduin von Gagern

By Ernst Moritz Arndt

Written 1814-01-01 - 1814-01-01

Die Totenglocken schallen,

Still zieht ein Leichenzug,

Umflorte Fahnen wallen

Sanft ohne Schwung und Flug,

Schwarz, Rot und Golden senken

Zur Erde tief den Glanz,

Deutsch Herz muß heute denken

Gar einen blassen Kranz.

Den Kranz der deutschen Eichen,

Den Lust- und Siegeskranz,

Den dacht' es, nicht den bleichen

Den grauen Totenkranz,

Geflochten von Zypressen:

Es dachte Siegesgrün,

Das über dem Vergessen

Der Gräber sollte blühn.

Nun muß es anderes denken,

Es traurt von Weh durchbohrt,

Schwarz, Rot und Golden senken

Die Fahnen, schwarz umflort:

Denn eines Helden Leiche

Fährt hin zu anderm Staub,

Ihm trug die deutsche Eiche

Vergebens Siegeslaub.

Vergebens? wie? vergebens?

O nein! und aber nein!

Verhüt' es, Herr des Lebens!

Bei Gott! das soll nicht sein!

Er fiel im guten Streite,

Er fiel fürs Vaterland,

Durchlebt der Zeiten Weite,

Sein Name wird nicht Sand.

Sein Klang ist der der magern,

Der kahlen Namen nicht,

Friedrich Balduin von Gagern

Verfällt dem Dunkel nicht:

Er wird im Liede klingen,

Wo ja als Schwur erklingt,

Solange deutschen Klingen

Ein guter Streit gelingt.

So zieh denn, Heldenleiche,

Zieh hin zur dunkeln Gruft,

Und Haß und Zwietracht weiche

Aus reiner deutscher Luft!

Es flieh' von deutschen Grenzen

Verrat und Untreu' fern!

Der Gagernstern soll glänzen

Darob als Friedensstern!